Es die beste Schreibzeit der ganzen Woche für mich: der Sonntagmorgen. Alles ist noch ruhig, weil die Lieblingsmenschen lange schlafen. Ich selbst konnte ebenfalls ausschlafen – bis 08:00 Uhr, was mir reicht, um mich fit, gut gelaunt und klar wie ein eisiger Wintertag im Kopf zu fühlen. Um 06:00 Uhr – meine Aufstehzeit unter der Woche – ist der Kopfzustand eher müde bis grummelig. Ich schreibe zwar auch unter der Woche morgens, aber es kostet mehr Überwindung und ich komme lange nicht so gut voran. Klarheit und Konzentration sind nun einmal genau das, was ich gerade brauche, denn ich stecke mitten in der Korrektur meines Buches.
Die zweite Überarbeitungsschleife ist es nun und so langsam kommt es mir tatsächlich so vor, dass es was wird. Der Text nimmt eine Form an, die man anderen zumuten könnte. Ein Viertel ist geschafft, und mein Ziel ist es, bis zum Frühjahr durch zu sein. Schwer zu sagen, ob das tatsächlich klappt. Durch manche Textpassagen fliege ich nur so hindurch – sie sind so mühelos wie ein Spaziergang. Andere gleichen dem Erklimmen des Mount Everests: Jeder Schritt, sprich jedes Wort, ist mühsam. Aber sind sie einmal geschafft, fühlt es sich umso triumphierender an.

Generell bin ich hin- und hergerissen, wenn es ums Überarbeiten geht. Der Rahmen steht, und das erfüllt mich mit einem tiefen Aufatmen. Im ersten Entwurf war er noch in Bruchstücken um den Text verteilt, nur vage erkennbar oder völlig chaotisch. Das bedeutet Freiheit, aber häufig auch eine weitaus umfassendere Ratlosigkeit als beim Überarbeiten.
Beim Überarbeiten dagegen schwingt immer die Endgültigkeit mit – der (notwendige) Anspruch, dass das, was da steht, so bleiben kann, was bei mir zeitweise eine gewisse Atemlosigkeit auslöst.
Beides, freies Schreiben und Korrigieren, hat seine Vor- und Nachteile, seine Licht- und Schattenseiten. Je länger ich mich mit dem einen befasse, umso mehr freue ich mich wieder auf das andere. Das Schöne ist: So bleibt alles im Fluss. Er hat hier und da seine Stromschnellen, trägt mich aber glücklicherweise immer weiter.
In diesem Sinne: woran auch immer ihr gerade schreibt, welcher Bearbeitungsschritt gerade vor euch liegt, geniesst die Reise… und habt einen wunderschönen Sonntag.

Eure Eni